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Neue Presse 10. August 1999

Tanzfamilie lässt Wasserfeen und Ungetüme spuken

Garbsener Gruppe arbeitet an neuem Projekt
Von Jörg Worat

Hannover. „Balletterin“ wollte Gabi Marschall-Grundke werden, als sie klein war. Da wusste die Garbsenerin noch nicht so genau, wie die Damen heißen, die den Tanz zum Lebensinhalt erkoren haben. Die heute 38-jährige hat sich mit dem Projekt TraumTanzTheater ihre Kindheitswünsche erfüllt.

Seit Januar vergangenen Jahres ziehen Gabi Marschall-Grundke mit fantasievollen, selbst entworfenen Kostümen durch die Lande. Da umschwebt Besucher plötzlich eine blaue Wasserfee, kreuzen ein weißes Blumenkind oder ein erdfarbenes Ungetüm ihren Weg.

Die Chefin hat Harmonische Bewegungskunst gelernt und den bizarren japanischen Butoh-Tanz gelernt - extreme Gegensätze. „Stimmt schon, aber sie doch irgendwie zusammen. Neben dem Schönen muss auch das Groteske seinen Platz in der Darstellung haben.“ Das hat zur Folge, dass die Figuren und Aktionen des TraumTanzTheaters nicht in Schönheit erstarren, sondern zuweilen eine leicht unheimliche Note haben.

Zur Zeitgehören neben dem Digeridoo-Spieler Ansgar Stein zwei ganz Junge zur Truppe: die 17-jährige Rebecca Stuwe und die 16-jährige Mona Binner – die eine Tochter, die andere Nichte von Gabriele Marschall-Grundke.
Rebecca hat bereits eine beachtliche Ausstrahlung. Kunststück: “Ich hab mit neun angefangen“, sagt sie. Und zwar bei Hans-Ulrich Buchwalds Scharniertheater, wo auch Gabi Marschall-Grundke lange Zeit gewirkt hat: „Es war schwierig, sich von der familiären Atmosphäre dort abzunabeln.“
Wo sieht sie Hauptunterschiede zwischen beiden Gruppen? „Unsere Kostüme sind filigraner. Wir lassen uns überhaupt mehr Zeit.“

Als nächstes plant das TraumTanzTheater eine größere Produktion. Optimistischer Titel: „In den Zeiten, wo das Wünschen wieder hilft“. Die Froschkönig-Variation hat Ende Oktober im Lister Turm Premiere.

Irgendwann will Gabriele Marschall-Grundke ihr Theater vergrößern. Schließlich wartet mit den weiteren Töchtern Luisa (12) und Cinzia (5) schon die nächste Generation. Zweitens stößt vielleicht auch mal jemand dazu, der nicht zur Familie gehört. Und drittens, das wissen wir ja, klappt sowieso alles – wenn man es sich nur fest genug wünscht.